Das Profil des \u201ELone Actor\u201C Was auf den ersten Blick wie ein Einzelfall wirkt, entspricht in vielen Punkten dem Profil sogenannter \u201ELone Actors\u201C (Einzelt\u00e4ter): bereits auff\u00e4llig oder bekannt, Mischung aus Ideologie, pers\u00f6nlicher Krise und Impulsivit\u00e4t, Nutzung einfacher Mittel und Suche nach Aufmerksamkeit. Genau diese Konstellation gilt heute als eine der gr\u00f6\u00dften sicherheitsrelevanten Herausforderungen. Was sagt die Forschung dazu? Mehrere internationale Studien zeigen eine klare Entwicklung, die den Vorfall in Siegburg in einen größeren Kontext einordnet. Zunahme von Einzeltätern Das National Consortium for the Study of Terrorism (START, 2015) belegt, dass Einzeltäter inzwischen einen wachsenden Anteil politisch motivierter Gewalt ausmachen. Diese Einzeltäter sind schwieriger zu erkennen, da keine feste Struktur vorhanden ist. Fragmentierte Ideologien Laut RAND Corporation (2018) folgen viele Täter keiner klaren Ideologie mehr. Stattdessen entstehen Mischformen aus Extremismus, Verschwörungstheorien und persönlichen Motiven. Psychische Faktoren als Verstärker Die American Psychological Association (2013) zeigt: Psychische Instabilität ist selten alleinige Ursache, aber häufig ein Verstärker bei Tätern. Niedrigschwellige Tatmittel Europol-Berichte (2024) verdeutlichen den Trend zu \u201ELow-Tech\u201C-Angriffen (z. B. Messer, Fahrzeuge, improvisierte Mittel). Geringe Vorbereitung, hohe spontane Umsetzbarkeit. Copycat-Effekte durch Aufmerksamkeit Kriminologe Adam Lankford (2016) weist nach: Mediale Aufmerksamkeit kann Nachahmungseffekte begünstigen. Was bedeutet das für die Praxis? Wir stehen vor einer strukturellen Verschiebung: Weg von organisierten Netzwerken \u2013 hin zu individuellen, schwer vorhersehbaren T\u00e4tern. Das macht klassische Sicherheitsmechanismen (Kontrollen, Listen, Profile) weniger wirksam. Die eigentliche Herausforderung ist nicht der \u201Eperfekt geplante Anschlag\u201C \u2013 sondern \u201Eder instabile Einzelt\u00e4ter mit hybriden Motiven\u201C. Fazit: Sicherheit neu denken Wenn wir Sicherheit heute neu denken wollen, m\u00fcssen wir st\u00e4rker verhaltensbasierte Indikatoren nutzen, Schnittstellen zwischen Psychologie und Sicherheit ausbauen und Fr\u00fchwarnsysteme neu definieren. Denn die entscheidende Frage ist nicht mehr: \u201EWer geh\u00f6rt zu einer Gruppe?\u201C \u2013 sondern \u201EWer entwickelt ein riskantes Verhalten \u2013 unabh\u00e4ngig von klarer Ideologie?\u201C Quellen American Psychological Association. (2013). Gun violence: Prediction, prevention, and policy. Europol. (2024). European Union terrorism situation and trend report (TE-SAT 2024). Lankford, A. (2016). Public mass shooters and firearms: A cross-national study of 171 countries. Violence and Victims, 31(2), 187–199. National Consortium for the Study of Terrorism and Responses to Terrorism (START). (2015). Lone actor terrorism. RAND Corporation. (2018). Radicalization and counter-radicalization: A review of the literature.